Kieler Nachrichten, Dienstag, 13. Februar 1990
Kunst und Sport als Spectaculum
Gunther Hagelberg plant ein "poetisches Sporttheater" für Kiel - Verein gegründet
Mit Kiels Kleinkunstszene soll Großes geschehen, zumindest dann, wenn Gunther Hagelbergs Pläne in Erfüllung gehen: Der Deutsch- und Sportlehrer, der zuletzt durch das Rock-Musical "Zoff" auf sich aufmerksam machte, plant ein neues Projekt, an dem sich neben Schülern und Studenten auch Pantomimen, Akrobaten, Tänzer, Jongleure und Einradfahrer beteiligen. "Spectaculum" nennt sich sein Konzept eines "poetischen Sporttheaters", in dem die Bewegung nicht mehr um ihrer selbst willen, sondern einer künstlerischen Idee wegen ausgeführt werden soll.
"Als Untertitel haben wir den 'Kreislauf der Kontraste' gewählt", erläutert Hagelberg die geplante Show, in der Gegensätze wie Macht und Ohnmacht, Individuum und Masse oder Spannung und Entspannung mittels Licht, Musik und Bewegung als Ausdruckstanz auf die Bühne gebracht werden. Zehn Gruppenleiter und rund 100 Kleinkünstler und Sportler - darunter auch der Ellen-Cleve-Kreis - wollen ein Jahr lang zusammenarbeiten, um eine Verbindung von Kunst und Sport zu schaffen, von Poesie und Bewegung, die Raum für Kreativität schaffen, wo sonst Leistung gefragt ist.
Lothar Köhrsen (rechts) und Gunther Hagelberg proben Musikeffekte im privaten Tonstudio. Foto man
"Spectaculum" soll ein Dach sein, unter dem sich Kiels Kleinkünstler zu gemeinsamen Aktionen zusammenfinden, die gestalterisch miteinander verbunden sind. Der Verein ist bereits gegründet: Junges Theater "spectaculum" nennt er sich. Die Beteiligten hoffen nun auf Sponsoren, denn rund 68.000 DM müssen für Technik, Werbung und Produktion veranschlagt werden.
Wenn sich das Projekt bewährt - so die weiterreichenden Pläne - soll der Verein künftig Ort der Lehrerfortbildung werden: Nach Vorbild des Kölner Bewegungstheaters "Mobile" wünschen sich die Verantwortlichen eine Zusammenarbeit von Verein, Kultusministerium, Sportverband und IPTS, um Sportlehrern eine neue, kreative Komponente des Unterrichtens zu vermitteln. Gespräche haben bereits stattgefunden.
Vorerst aber steht die Produktion im Vordergrund. Zehn Gruppenleiter spielen an verschiedenen Orten in Kiel, um Musik, Idee und Bewegung unter einen Hut zu bringen. "Wir wollen Bewegung vertonen", so Lothar Köhrsen, der für die Musik mitverantwortlich ist, "alles wird von uns selber komponiert sein." Die Erfahrung von "Zoff' kommt den Theatersportlern dabei zugute, und Hagelberg hat mit einzelnen Szenen in der "Kieler Woche" schon die Erfahrung gemacht, daß seine Art von Bewegungstheater ankommt. Dahinter steht der Traum von einem eigenen Theater.
Die Show aus Tanz, Pantomime, Zirkus-Elementen, Schwarzlichttheater und Objekt-Gymnastik ist im Kieler Raum bislang einmalig; ein Sporttheater, das nicht nur Bewegungskünstler aller Art anlocken kann, sondern auch ein Publikum, das ebenso gemischt ist. (man)
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