Presseartikel, Montag, 29. April 1991
Trommelfeuer überraschender Effekte: Bekanntes in ungewohnter Kulisse
Das junge Theater "Spectaculum" begeisterte durch Freude an Sport, Spiel und Tanz
NIEBÜLL. Mit einem bunten Reigen - im wahrsten Sinne des Wortes - präsentierte sich das Sporttheater "Spectaculum" am Sonnabend auf der Bühne der Niebüller Stadthalle. An die 200 Akteure aus Kiel und Umgebung führten ein wahres Feuerwerk von Tanz, Pantomime, Sport, Theater, Spiel und Artistik vor.
Stolze Blasiertheit und lässige Streetkids begegnen sich: Ein Thema umgesetzt von der freien Steptanz- und der Flamenco-Gruppe. Fotos (2): Sühl
Um es vorwegzunehmen, es war ein Augenschmaus für jung und alt im Publikum, obschon letzteres gegenüber den Akteuren wieder einmal in der Minderheit war. Warum ist eigentlich nicht ergründbar, denn dergleichen gibt es nicht alle Tage und die Werbetrommel ist genügend gerührt worden. Aber was soll's, diejenigen die da waren, haben sich offensichtlich sehr gut unterhalten und waren begeistert.
Das jedenfalls ließ sich am häufigen Szenen-Applaus messen, der sich zeitweilig zur Ovation steigerte - eine seltene Erscheinung bei den doch so kühlen Nordfriesen.
Das Rezept ist nicht neu: Farbe, Musik und Bewegung. Was hier jedoch der Autor und Regisseur des Rock-Musicals "Zoff", Gunter Hagelberg, auf die Beine stellte, findet im norddeutschen Raum nicht seinesgleichen. Das fast zweieinhalbstündige Programm erwies sich als ein Trommelfeuer überraschender Effekte. Zu rockorientierter Live-Musik der "Zoff-Band" - zuweilen etwas zu laut - agierten Kinder und Erwachsene mit Jazz- und Ausdruckstanz, Jonglage, Gymnastik und Folklore. Mit Rhönrädern, Fallschirmen, Rollschuhen, Keulen, Bändern und Bällen werden bekannte sportliche Bewegungen in ungewohnte Zusammenhänge gebracht.
Da wehrte sich eine Raupe aus Rollschuh-Fahrern gegen das Gefressenwerden, trieb ein Teufel in der Walpurgisnacht sein Unwesen mit einem Rhönrad, erlebten die Zuschauer die Metamorphose eines Fallschirms von der Qualle bis zur Krake oder einen echten Striptease, an dessen Schluß wahrhaft nichts mehr zu sehen war. Den größten Beifall erhielten die raffiniert inszenierten Schwarzlicht-Shows, deren verzaubert phosphoreszierendes, geheimnisvolles Leuchten die Zuschauer gar in eine Unterwasser-Landschaft führte.
Mehr als ein Jahr Vorbereitungszeit waren nötig, um das Programm "Kreislauf der Kontraste" für die Bühne aufzubereiten. Schüler, Studenten, Lehrer, Lehrlinge und andere Berufstätige sind daran beteiligt, zum Teil bereits organisiert in verschiedenen Sportgruppen, Schulen, dem Institut für Tanz und Gymnastik, Sport- und Gymnastikschulen. Sie alle sind in einem gemeinnützigen Verein organisiert, der sich die Aufgabe gestellt hat, Auge, Herz und Ohr zu erfreuen.
Den zu stark an Regeln und Wettkampf orientierten Sport wollen sie um die Idee des Kreativen, Theatralischen und der ästhetischen Präsentation ergänzen. Die unterhaltsame Seite des Sports soll in den Mittelpunkt gestellt, der Schulsport nicht ersetzt, sondern bereichert werden. Nicht Leistung und Wettkampf, sondern elementare Freude am Sport, Spiel und Tanz, sowie eine neue Bewegungsästhetik sind Motor und Motto von Initiatoren und Aktiven.
Wie bereits erwähnt: Der Beifall war riesig. Zufriedene und gelöste Gesichter gab es während und nach der Vorstellung beim Publikum; alle fanden Spaß daran. Und nicht nur die Gäste der Veranstaltung, sondern vor allem auch die Darsteller. "Spectaculum" ist eine bemerkenswerte Initiative, die nach Niebüll auch noch in Flensburg, Eckernförde, Neumünster und Lübeck vorgestellt wird.
Mit Keulen, Bändern, Reifen, Seilen und Bällen wurde das Leben einer Strandszene nachempfunden.
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