junges theater spectaculum e.V.

Lübecker Nachrichten, Dienstag, 11. Juni 1991

"Faust" sportiv

Goethes "Faust" ist schon auf plattdeutsch, und noch weitaus skurriler inszeniert worden. Völlig neu dürfte die Variante des "jungen theaters spectaculum" sein. Sie wurde im Großen Haus zum Höhepunkt des Programms "Kreislauf der Kontraste".

Kontrastreich waren die fast 20 Szenen, die das Kieler Ensemble den rund 700 Theatergästen präsentierte, allemal. "Poesie, Musik, Sport, Tanz und Theater" lautet die Kurzformel, auf die die rund 200 Aktiven ihre Arbeit gebracht haben; Ziel der Schulkinder, Studierenden, Lehrlinge und Berufstätigen, die in einem Verein zusammenfanden, ist "die Ergänzung des Wettkampfsport um die Idee des Kreativen, Theatralischen und Ästhetischen".

Dazu ist ihnen jedes noch so ausgefallene Mittel recht: Fallschirm, Rollschuhe, Keulen, Bänder, riesige Masken und Jongleur-Artikel wirbelten durch das Programm und manches davon auch durch die Luft.

Eine buntschillernde Qualle wabberte über die Bühne, eine Rollschuhraupe floh vor gefräßigen Vögeln, und ein völlig jugendfreier Striptease erntete viele Lacher: Schwarzlicht machte es möglich. Zu all diesen Zutaten gebe man noch einen Spritzer Livemusik der "Zoff-Band" und das Publikum ist begeistert.

Als Zugabe mußten Faust und sein Gretchen noch einmal auf die Bühne. Und in seinen Rhönrädern rollte das Liebespaar dem tragischen Ende seiner Zweisamkeit entgegen. sab


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