junges theater spectaculum e.V.

Kieler Express, Samstag, 13. Mai 1995

Das Rock-Musical "Brandsatz" hat am Sonntag Premiere

Auf dem Grat zwischen Liebe und Haß

Als in Hoyerswerda im Herbst 1991 und später in Rostock Asylanten-Wohnheime in Flammen aufgingen, da war es Haß, der zu diesen Verbrechen führte und Haß, der später die Täter traf. Aus diesem Stoff ist ein Theaterstück geworden, das am Sonntag, 16. Mai, im Kieler Schauspielhaus Premiere hat.

Brandsatz

Szene aus "Brandsatz": Ein Skinhead attackiert Jugendliche. Im Hintergrund der Autor und Regisseur Gunter Hagelberg. Foto Bittner

"Wir wollen keine Sympathien für diese Jugendlichen wecken, sondern zeigen, was sie gemeinsam haben", sagt Gunter Hagelberg, Regisseur und Textautor. Und so ist das Rock-Musical "Brandsatz", mit dem "jungen theater spectaculum" inszeniert, sicherlich eine spannende Gratwanderung zwischen Verständnis und Ablehnung, zwischen Liebe und Haß. Ein Jahr lang recherchierte Hagelberg unter anderem auch in Hoyerswerda die Motive, Lebensumstände und Sehnsüchte sowohl gewaltbereiter Skinheads wie auch Mitglieder türkischer Jugendbanden. Anlaß war dafür der ungewöhnliche Entschluß des Deutsch-Türkischen Volkshauses in Kiel im Frühjahr 1993: Türkische Jugendliche aus Kiel luden gewaltbereite rechtsradikale Jugendliche aus Rostock und Skins aus Hoyerswerda zu einem gemeinsamen Türkei- Besuch ein.

Dieser Modellversuch brachte damals Erfolge im Kleinen, ein Hoffnungsschimmer, auf den Hagelberg sein Musical "Brandsatz" aufbaute: "Handlungsfaden ist natürlich eine Liebesgeschichte." Ein rechtsradikaler Jugendlicher versucht, die Zuneigung eines Mädchens zu gewinnen, das, als sie merkt, daß ihr neuer Freund ein Gewalttäter zu werden droht, Sympathien für einen türkischen Jungen entwickelt. Auch bei ihm aber fühlt sie sich verängstigt, zu fremd sind die Überzeugungen und Gewohnheiten einer anderen Kultur.

Ein Jahr lang haben Schüler, Studenten und Lehrer wöchentlich acht Stunden an "Brandsatz" gearbeitet, die Premiere ist ausverkauft, weitere Vorstellungen gibt es u.a. am 18. Mai im Ernst-Barlach-Gymnasium, sowie am 31. Mai und 1. Juni in der MAX-Music-Hall und am 1. September, auf der Krusenkoppel. (jb)


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