| junges theater spectaculum e.V. |
Kieler Nachrichten, Dienstag, 16. Mai 1995
Rockmusical "Brandsatz" im Kieler SchauspielhausDoch platt gemachtRote Rosen und stehende Ovationen gab's nach der Kieler Premiere des Rock-Musicals "Brandsatz" für Regisseur Gunter Hagelberg und sein Ensemble, das vor vielen Freunden und Verwandten im ausverkauften Schauspielhaus fraglos ein Heimspiel hatte. Doch auch als Außenseiter konnte man sich der schwungvollen Mischung aus Musik, Gesang, Tanz, vor allem aber der Spielbegeisterung der Darsteller des jungen theater spectaculum nicht entziehen - obgleich hier und da allzu plakative Sentenzen an der Stimmung genagt hatten. So ganz konnte sich Regisseur und Autor Gunter Hagelberg die Schwarz-Weiß-Malerei nicht verkneifen. Und so geraten die Konfliktsituationen beim "Brandsatz" unterm erhobenen Zeigefinger zuweilen allzu platt. Foto Nickolaus
Da waren die Skins in Bomberjacken und Springerstiefeln, die, ständig ein Bier auf der Tatze, frustriert von Familie und No Future-Aussichten überall draufhauen nach dem Motto: "Bevor ich gar nichts bin, bin ich lieber Skin". Die türkischen Jugendlichen waren dagegen mit dem Weichzeichner skizziert: verständnisvoll, gesprächsbereit und schrecklich nett. Viel eindringlicher als die verbalen Auseinandersetzungen waren pantomimische Szenen, in denen die Skins (hervorragend gespielt von Arne Schumacher, Siegbert Hübner sowie von Torge und Arne Bollert) wie Marionetten an den unsichtbaren Fäden maskierter Drahtzieher agierten. Hier bewährte sich ein Stahlgerüst als multifunktionales Bühnenrequisit, von dessen oberer Plattform die gesichtslosen Gesellen ihre willenlosen Opfer dirigieren konnten. Richtig gut, wenn auch zu laut, waren die Musiker und Sänger (hier vor allem Monika Halbwidl und Thorsten Scholz), die ein beachtliches Spektrum von Heavy Metal über Rock bis Pop zu Gehör brachten und die Musik ist ja schließlich der Kern eines Musicals. |
|
|
junges theater spectaculum e.V.