junges theater spectaculum e.V.

Eckernförder Zeitung (KN), Dienstag, 22. August 1995

Happy End?

"Happy End"? - "Skin" Piet (Torge Bollert) tanzt gemeinsam mit der Volkstanzgruppe seiner türkischen Gastgeber.
Fotos Breier

Realistische Darstellung auf der Bühne machte betroffen

Musical "Brandsatz" bestach durch Live-Musik und tolle Schauspieler

Eckernförde . (gbr) "Ein Krüppel und ein Ökofuzzi - ist das die Zukunft Deutschlands?" fragt ein Skin und schlägt auch schon zu. An anderer Stelle heißt es: "Türken und Krüppel - wir sind die Knüppel". Zwei Szenen aus "Brandsatz", auf der Bühne "nur" gespielt - doch leider mit allzu realistischem Bezug. Denn der Inhalt des aktuellen Stücks, mit dem das "junge theater spectaculum" aus Kiel am Wochenende in der Eckernförder Stadthalle zu Gast war, beruht auf authentischen Vorkommnissen.

Im Frühjahr 1993 entschloß sich das Deutsch-Türkische Volkshaus in Kiel zu einem ungewöhnlichen Projekt, das bundesweit für Aufsehen in den Medien und der Öffentlichkeit sorgte: Türkische Jugendliche aus Kiel luden gewaltbereite Jugendliche aus Rostock und Skins aus Hoyerswerda zu einem gemeinsamen dreiwöchigen Türkeibesuch ein.

Angesichts der stets gegenwärtigen Problematik der Ausländerfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft ist der Erfolg des Gastspiels in Eckernförde besonders erfreulich: Begeisterungsstürme und Zugabenrufe in der ausverkauften Stadthalle honorierten die Arbeiten des Ensembles, die aufwendige Inszenierung und das Stück aus der Feder von Gunter Hagelberg.

Ein "Trick", das das Rockmusical vor allem beim jungen Pulbikum zu einem Hit macht, sind die tollen, live gespielten und gesungenen Songs, die den vielen talentieren Sängern und Musikern (unter anderem auf dem türkischen Saiteninstrument Saz) die Möglichkeit geben, ihre Musikalität unter Beweis zustellen.

Der Autor, der ein Jahr lang mit dem Deutsch-Türkischen Volkshaus in Kiel und den Jugendlichen, die an diesem Projekt beteiligt waren, zusammengearbeitet hat, tut gut daran, nicht übermäßig zu stilisieren und interpretieren. Bei der eindringlichen, erschreckend echten Darstellung (Glanzrollen für Torge und Arne Bollert als kahlgeschorene Skins mit stählernem Blick) bleibt da kaum jemand unbeteiligt. Obwohl etwa Darstellerin Susann Grubert überzeugt ist: "Ich denke, es hätte manchmal noch härter sein können - ich stehe da und mache die Leute an, und die sitzen da regungslos."

Regungslos jedoch konnte der Zuschauer angesichts der betroffen machenden Thematik sein. Bleibt zu hoffen, daß die tolle Produktion auch nach der Aufführung zum Nach- und Weiterdenken anregt.

Siegbert und Arne

Auch vor Andeutungen von Verbindungen der Skin-Szene mit Unternehmertum macht die Inszenierung von Gunter Hagelberg nicht halt. Im Bild: Arne Bollert als "Skin" und "Jungunternehmer" Siegbert Hübner, die beide in mehreren Rollen zu sehen waren.


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