junges theater spectaculum e.V.

Moin Moin Rendsburg, Mittwoch, 4. Oktober 1995

Eine Auseinandersetzung mit dem Ausländerhaß

Rockmusical "Brandsatz": Eine Aufforderung zum besseren Miteinander

Brandsatz

Skins als Marionetten einer falschen Überzeugung. Das Rockmusical Brandsatz sollte möglichst viele Menschen erreichen

Rendsburg. Das "junge theater spectaculum e.V." aus Kiel führte in der Aula der Herderschule das Rockmusical "Brandsatz" auf. Vor einem ausverkauften Haus (650 Zuschauer) stand weniger die leichte Muse auf dem Programm, als vielmehr die Aufarbeitung des ernsten Themas "Gewaltbereitschaft und Ausländerhaß". Am Beispiel eines 1993 durchgeführten Projekts des Deutsch-Türkischen-Volkshauses wurde die damalige Situation realitätsnah dargestellt. Türkische Jugendliche aus Kiel luden damals gewaltbereite rechte Jugendliche aus Rostock und Skins aus Hoyerswerda zu einem gemeinsamen Türkeibesuch ein, um beide, von Vorurteilen belastete Seiten, die Chance zu geben, einander kennenzulernen. Das Ziel war weniger, daß sich beide Seiten akzeptieren sollten, als vielmehr die Bereitschaft zu fördern, miteinander ins Gespräch zu kommen und einander zuzuhören. Geschildert wurde die Entwicklungsgeschichte der Türkeireise, bis zur Durchführung. Die Gedanken beider Seiten wurden genauso aufgearbeitet, wie die allgegenwärtige Gewaltbereitschaft. Es wurde nichts beschönigt. Auch die Rolle der Medien als sensationssuchender Begleiter wurde passend dargestellt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Mitgliedern der beiden Gruppen sollten einen Einblick in die jeweilige Gedankenwelt des anderen geben.

Abgerundet durch sehr viel rockige Musik zog das an sich schwierige Thema die Zuschauer in seinen Bann. Trotz einer dreistündigen Aufführung verfolgten die Besucher den Ablauf auf der Bühne sehr konzentriert und nachdenklich. Ruhigere Passagen und Monologe, erlaubten es dem Publikum, sich eigene Gedanken zu der Thematik zu machen.

Minutenlange "standing ovations" zeigten am Schluß der Aufführung, daß das Thema sehr gut verarbeitet wurde und vom Publikum aufgenommen wurde. Das Ziel der Aufführung, einige Besucher zum Nachdenken zu verleiten, wurde erreicht. Sollte jetzt nur einer der zumeist jugendlichen Besucher seine Einstellung zur Gewaltbereitschaft oder zu ausländischen Mitbürgern positiv verändern, so ist die Aufführung schon ein großer Erfolg.
Andre Scheu


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