junges theater spectaculum e.V.

Flensburger Tagesblatt, Freitag, 10. November 1995

Schul-Spektakel: Rock gegen Gewalt

Jubel für Jugend-Musical "Brandsatz"

HARRISLEE (dg). "Sind das echte Skinheads?", fragte eine Jugendliche ihren Lehrer entsetzt. Denn die "Skins" des "jungen theater spectakulum" aus Kiel demonstrierten in der Aula der Zentralschule Gewalt zum Fürchten: In Bomberjacken, Springerstiefeln, mit kurz geschorenen Haaren, Schlagwerkzeugen und nichts als leeren Sprüchen. Das Rockmusical "Brandsatz" wird bei dem jugendlichen Publikum sicher noch für Diskussionsstoff sorgen.

Das Musical arbeitet die gewalttätigen Ereignisse von Rostock und Hoyerswerda auf. Nach diesen Vorfällen hatten 1993 türkische Jugendliche aus Kiel rechtsradikale Skinheads aus Rostock und Hoyerswerda zu einem gemeinsamen Türkeiurlaub eingeladen.

Das Musical schildert in lauten wie leisen Tönen alte und neue Wege der zwischenmenschlichen Annäherung. Detailliert wurden durch die Laienspielgruppe die Hintergründe von Gewaltbereitschaft und ihrer Eskalation in Szene gesetzt. Fazit: die Probleme der Jugendlichen und der enthaltene soziale Sprengstoff werden von der Gesellschaft ignoriert.

Die Musical-Geschichte erzählt, daß die Skins der Einladung in die Türkei ebenso skeptisch gegenüberstehen wie die türkischen Gesprächspartner. Die Verständigung läuft zunächst nicht problemlos. Diejenigen, die in Deutschland Angst verbreiten, haben selbst Angst. Doch die türkischen Jugendlichen empfangen die Skins mit freundlicher Offenheit: Vorurteile werden abgebaut, und Neugier auf eine fremde Kultur entwickelt sich.

Begeistert reagierte das jugendliche Publikum, nicht zuletzt wegen der großartigen schauspielerischen Leistung und musikalisch-tänzerischen Umsetzung. Mit Jubel beantworteten die 14- bis 16jährigen Zuschauer die Aufforderung, "wir können Euch nicht ändern, das müßt ihr selber tun".


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