junges theater spectaculum e.V.

Kieler Nachrichten, Dienstag, 10. Juni 1997

Premiere in der Halle 400: das "junge theater spectaculum" zeigt "NOVA"

ZWISChEN PARTY UNd RESIGNATION

Ausgelassen stürmt die Clique die Bühne der Halle 400. Im Breakdance-Takt wird abgefeiert, doch der bunte Spaß dauert nur wenige Minuten. Solange, bis sich der Titelheld des Rockmusicals vorstellt: "Ich bin Nova. Habe die Schule geschmissen. Ein Versager unter Versagern, nichts geht mehr. Wofür hätte ich auch lernen sollen?" Auf einen Ausbildungsplatz hat er wenig Chancen, und da spielt es schon fast keine Rolle mehr, ob er überhaupt Lust hat auf diesen Arbeitsalltag mit seinen Zwängen, auf diese wohlgeordnete Gesellschaft, auf diesen ganzen "Trümmerhaufen von Welt". Um das jugendliche Lebensgefühl zwischen Event-Party, Auflehnung und Resignation kreist "Nova", das neue Musical von Autor und Regisseur Gunter Hagelberg und dem jungen theater spectaculum, das am Sonntag abend Premiere hatte.

Nova

Chaos im Kopf: Nova (Arne Bollert, mit Sabine Klöß) Foto bjö

Drei Stunden wechseln sich einfallsreich choreographierte und professionell umgesetzte Tanz- und Gesangsszenen mit etwas schwunglos geratenen Dialogen ab. Nova (Arne Bollert, schon in "Brandsatz" mit dabei) trifft auf einen blauhäutigen Fremden. Take Four-Vokalist Thomas Schröder kann in der auf kühle Distanz angelegten Rolle vor allem seine Sangesqualitäten unter Beweis stellen. Der Fremde spricht wie der frühromantische Dichter Novalis und bringt dessen "blaue Blume" mit sich, das Symbol der Sehnsucht, dessen dramatische Funktion in der Inszenierung allerdings nur zu erahnen ist. Zugleich ein umgekehrter Mephisto, macht sich der Blaue an den grübelnden Menschen heran.

Top, die faustische Wette gilt: Die Cyberbrille, mit der Nova sich in tröstliche Irrealität rettet, soll er am Ende der "Reise in sein inneres Selbst" nicht mehr nötig haben. Novas Freundin Sophie (voll jugendlicher Ausdruckskraft: Viola Heß) versteht von den Reden ihres Liebsten plötzlich nur noch Bahnhof - und dem ein oder anderen Zuschauer mag es ähnlich gegangen sein. Zu schnell und zu tief schürfen da die Theatermacher im Gedankengut von Romantik, Chaos- und Zukunftsforschung - was von Songtexten und Musik dann aber aufgefangen und präzise und peppig auf den Punkt gebracht wird.

Nach der Pause macht die Handlung etliche Abstecher auf heitere Nebenschauplätze, etwa in die "in der Bewegung eingebundene" Ökogruppe (Wilfried Goebel, Thomas Schröder und Kathrin Wiese) oder das dem Aufstand nahe Altenheim (gleiche Besetzung). Doch am Ende sehen Nova-Novalis und Sophie Neuland am Horizont: Die Liebe hat die Angst besiegt. Denn "Nova" ist ein Jugendstück, daß Mut und Unerschrockenheit vermitteln will - und die Lust, Zukunft zu gestalten. SABINE SPATZEK

Weitere Aufführungen: Heute in der Stadthalle Eckernförde, morgen im MAX, 12. August Ernst-Barlach-Gymnasium, 14.8. Hebbelschule, 18.8. Bürgerhaus Kronshagen.


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