Lübecker Nachrichten, Samstag, 7. Februar 1998
Ein Bild der Jugend
Junges Theater Spectaculum zeigte das Rockmusical "Nova"
Von ELKE SPIECK
Die letzte Vorstellung ihres neuen Stückes gaben sie im Großen Haus des Lübecker Theaters. Das Ensemble des "Jungen Theaters Spectaculum", das bereits 1995 mit der Aufführung des Stückes "Brandsatz" auf sich aufmerksam gemacht hatte, präsentierte das Rockmusical "Nova".
Autor und Regisseur Gunter Hagelberg hat ein Stück geschrieben, das wohl das Lebensgefühl vieler Jugendlicher, der Generation X, trifft und ihre Ängste vor der Zukunft aufzeigt. Zur Vorbereitung des Musicals stöberte Hagenberg in Büchern, die sich mit der Zeit nach der bevorstehenden Jahrtausendwende beschäftigen. Fündig wurde er in dem Buch "Trends 2015" von Gerd Gerken.
Novalis gab dem Rockmusical des "Jungen Theaters Spectaculum" den Namen. Der Fremde, gespielt von Thomas Schröder (li.), will Nova (Arne Bollert) eine neue Lebensperspektive aufzeigen. Foto: RAINER JENSEN
Nach einer bunten Tanzszene stellt sich die Titelfigur, der junge Nova, dem Publikum vor. Als "Versager unter Versagern" fühlt er sich und will deshalb die Schule abbrechen, wohlwissend, daß er ohne und mit Abschluß kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Nova, gespielt von Arne Bollert, lehnt sich gegen die festgefahrenen Rituale und Zwänge in der Gesellschaft auf. Da begegnet ihm ein Fremder, der ihm eine neue unbekannte Welt entwirft.
Hier bekommt der Zuschauer einen Hinweis auf den Titel des Stückes, denn der Fremde hat nicht nur eine blaugefärbte Haut, sondern er trägt auch eine blaue Blume, das Symbol der Romantik bei sich. Für Nova wird diese Blume das Symbol der Hoffnung. Auch spricht der Fremde wie der bedeutendste Dichter dieser Epoche, Novalis, der sich nach dem frühen Tod seiner Verlobten Sophie in die Welt der Mystik flüchtete. Der Fremde schenkt Nova ein Buch mit Versen des Lyrikers und bestärkt den jungen Mann, der sich und seine Umwelt in Frage stellt, darin, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen.
Als Nova sich mit Hilfe seiner Cyberbrille in eine unwirkliche Welt flüchtet, verwirrt er nicht nur seine Eltern und seine Freunde, sondern auch seine Freundin Sophie, die eindrucksvoll von Viola Heß dargestellt wird. Dies ist der Ausgangspunkt für Verwirrungen und Mißverständnisse, die auf der Bühne fast drei Stunden lang in manchen zu betont tiefschürfenden Dialogen, dafür aber mit vielen bunten Tanzszenen und live gesungenen rockigen Songs umgesetzt werden. Leider war die Musik aber stellenweise so laut, daß die Liedertexte nicht mehr zu verstehen waren.
Die Handlung setzte sich im zweiten Teil des Stückes aus Szenen zusammen, die Nova in verschiedenen Altersstufen zeigen. So sieht der Zuschauer den gebrechlichen Nova im Altenheim. Eine skurrile Tanzeinlage zeigt, wie die alten Menschen von einer Schwester wie Entmündigte behandelt werden.
Am Ende des Musicals ist Nova jedoch wieder jung. Durch die verschiedenen Lebensstationen, die er durchlaufen hat, wirkt er gereift, lebensbejahend und unerschrocken.
"Nova" ist eben ein modernes Rockmusical mit dem die freie Theatergruppe aus Kiel jungen Leuten Mut machen will.
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