junges theater spectaculum e.V.

Kieler Nachrichten, Freitag, 11. Februar 2000

Wieder da: das Rockmusical Zoff

Zerfressen vom Frust

Anna mag Mike. Und Mike mag Anna. Aber wie im richtigen Leben sind da noch die Kumpels und die mögen am liebsten Alkohol und machen so richtig "fette Stimmung". Außerdem hat Mike eigentlich keinen rechten Bock auf gar nichts. Haltlos, rastlos, auf Krawall gebürstet, der Knabe. Annas "bis dahin ganz harmonische Entwicklung", geht in die Binsen - sagt jedenfalls der Vater. Er als Pädagoge tut sich da doch etwas schwer, wenn es darum geht, Verständnis aufzubringen. "Zoff" lauert hinter jeder Ecke, ein Thema, das immer noch aktuell ist. Zehn Jahre nach der Erstaufführung findet "Zoff", das Rockmusical von Gunter Hagelberg, wieder seinen Platz auf den Bühnen. Wieder gab es standing ovations, diesmal bei der Premiere der Neuinszenierung am Mittwoch Abend in Preetz.

Liebesfrust bei Anna & Mike: Janina Saß und Lorenz Nowak (u.)

Anna und Mike

Ein Laientheater, das schon mit einigen Inszenierungen ("Mensch, Menschin!; "Brandsatz") auf sich aufmerksam machte, und bei dem, wie gehabt, Schüler, Lehrer und die Schulband des Preetzer Friedrich-Schiller-Gymnasiums (Leitung: Ralf Lentschat) ihr schauspielerisches und musikalisches Talent deutlich präsentierten. Autor und Ko-Produzent, die Lehrer Hagelberg und Lothar Köhrsen, schrieben für die 2000er-Fassung einige Szenen um und peppten die Musik auf. Die Klischees bleiben unberührt. "Hippi-Lehrerin" Ellen von Westernhagen bereichert die fruchtlosen Konversationen im Lehrerzimmer mit Beiträgen zu "konfliktorientierten Problemcollagen" und professionellem Gesang. Auch Pathos mischt mit, sucht nach Wärme und singt von der "schwierigen Phase". Besonders Lena Voß als Simone trifft den richtigen Ton. Rivalitäten, Sorgen, Konflikte der Jugend, wie mit einem Spiegel werden sie per Rock und Rap erfolgreich in den Zuschauerraum katapultiert. Dabei mag Anna (Janina Saß) den schuleschwänzenden Mike (Lorenz Nowak) auch in diesem Jahrtausend, aber das mit dem Verständnis ist nicht besser geworden. Die Schüler haben es satt, sind genervt; voneinander, von Eltern und Lehrern. Eine Lösung ist nicht in Sicht, und so wirbt das spritzige Musical weiter für Verständnis und pädagogisches Feingefühl im ewigen Dilemma.
jem/Fotos: bev

Immer schön lächeln!

Aufführungen in Kiel: 22. und 23. März. Schauspielhaus. 19.30 Uhr.



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