junges theater spectaculum e.V.

Kieler Nachrichten, Samstag, 27. Mai 2000

Zoff

"Die eigentlich brave Anne (rechts; Janina Saß) erholt sich mit ihrer Freundin Simone (Lena Voß) von ihrer ersten "richtigen" Party.
Foto Klein

Modernisiert, aber zu behutsam

"ZofF"-Aufführung der Preetzer FSG-Theatergruppe füllte Stadthalle gerade zur Hälfte

Neumünster - Zehn Jahre lang war es ruhig und friedvoll in Neumünster. Doch das sollte sich an den vergangenen zwei Abenden schlagartig ändern. In der Stadthalle war "Zoff" angesagt. Das Musical des Preetzers Friedrich-Schiller-Gynasiums, das 1989 die Säle füllte und landesweit für Furore sorgte.
Nach zehn Jahren sollte die Liebesgeschichte zwischen der braven Anne und dem rebellischen Mike wieder die Zuschauer in die Theater locken. Doch war das Theater in der Stadthalle gerade zur Hälfte gefüllt. Hat es sich "ausgezofft"? Sollte das Musical etwa nicht mehr zeitgemäß sein? Oder hatten die Neumünsteraner schlichtweg kein Interesse?
Das Thema kann es nicht gewesen sein. Auch zehn Jahre nach der Uraufführung haben Jugendliche so ihre Probleme mit den Vorstellungen und Plänen ihrer Eltern. Noch immer verlieben sich Teenager aus elterlicher Sicht meist in den Falschen. Nein, die Probleme der Schüler von vor zehn Jahren sind dieselben geblieben. Also Neumünster doch eine Stadt voller Kulturbanausen? Wohl kaum, denn Publikum gibt es genug. Wie sonst ließe sich der beinahe inflationäre Zuwachs an Theater-AGs samt Aufführungen in Neumünster erklären? Überangebot führt nicht selten zu Ermüdungserscheinungen, selbst beim engagiertesten Theaterfan.
"Zoff" ist noch immer zeitgemäß, behutsam von Autor Gunter Hagelberg modernisiert. Was vor zehn Jahren "cool" war, ist heute "fett", und aus der "Rock'n'Roll-AG" wurde die "Hip-Hop-AG". Modernisiert zwar, aber zu behutsam, nicht mutig genug. Vor einigen Jahren war sicher der "Rocker" noch das erklärte Feindbild vieler Eltern. Doch in einer Zeit, in der selbst brave Bankangestellte in schwarzer Lederhose hinter dem Tresen stehen, zieht dieses Bild nicht mehr. Heute ist es vielleicht eher der Ecstasy konsumierende Raver, den sich so mancher Vater nicht gerade als den zukünftigen Schwiegersohn wünscht.
Die 250 Zuschauer interessierte es jedoch recht wenig, warum der Sessel neben ihnen leer blieb. Sie genossen die gelungene Bühnenshow, die mal nachdenklichen, mal mitreißenden Lieder und belohnten die erstklassige Leistung der Laienschauspieler mit reichlich Beifall. Ab und zu eine gehörige Portion "Zoff" lohnt sich also noch immer.
Wer das Musical verpasst hat, hat noch eine Chance am 30. und 31. Mai in Kiel. Karten dafür gibt es im Konzertbüro Streiber unter T. 0431/91416.
PATRICK KLEIN


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