junges theater spectaculum e.V.

Kieler Nachrichten, Mittwoch, 4. April 2001

Ein Konzept, viel Idealismus und Liebe zum Theater

Bei Gunter Hagelberg und Lothar Köhrsen haben's die Proben in sich

Preetz (jem) Am Anfang steht das Casting. Oder ein Klassenentschluss, Theater zu spielen. Manchmal beginnt alles mit einem Projektkursus. Etwa ein Jahr später kommt nach intensivem Proben eine Theateraufführung dabei heraus, ein Musical, Kabarett, Textkollagen und auch Montagen absurder Szenen. Deren textliche und musikalische Inhalte stammen aus den Federn des Preetzer Lehrers Gunter Hagelberg und seinem Kollegen und ehemaligen Schüler Lothar Köhrsen. Die zwei infizieren seit Jahr(zehnt)en (fast) jeden aus ihrem Umfeld mit dem Theatervirus.

Titel des Bildes

Der Kulturverein "spectaculum" resultiert aus der Zusammenarbeit des Preetzer Lehrers Gunter Hagelberg und seinem ehemaligen Schüler Lothar Köhrsen.
Foto Mielke

Hunderte von Schülern, Ehemaligen, Eltern und auch Lehrern haben in den vergangenen 25 Jahren unter Hagelbergs geschultem Auge auf der Bühne debütiert. Die meisten von ihnen rekrutierte der Deutsch- und Sportlehrer des Preetzer Friedrich-Schiller-Gymnasiums an seiner Schule. Theaterkurse, Theater-Arbeits-Gemeinschaften, Theater-Projekte stellt der Autor und semiprofessioneller Hobby-Regisseur auf die Beine, die Stücke schreibt er selbst. 1988 gründeten Hagelberg und Köhrsen außerdem den gemeinnützigen Kulturverein "spectaculum" mit Sitz in Kiel, dem 20 Mitglieder fest angehören, darunter ein Haupt-Sponsor. "Anders wären die Inszenierungen nicht zu finanzieren", betont Köhrsen. Über 100 Aufführungen in Preetz, Kiel und Umgebung, rund 40.000 Zuschauer sind die Bilanz.

Das Musical "Zoff" gehört zu ihren erfolgreichsten Produktionen, mit "Mensch, Menschin" begeisterten sie die Zuschauer und auch Hagelbergs jüngste Inszenierung "Klogespräche" stieß auf viel Anklang.

Ihr "Material" sind zumeist junge Menschen, die von Theater zwar keine Ahnung haben, dafür aber genügend Lust und Disziplin aufbringen, die minutiös ausgearbeiteten Probenpläne einzuhalten. "Wer an den vereinbarten Tagen nicht kann, ist von vornherein raus und der Rest hält zu 90 Prozent durch", erklärt Hagelberg das einfache Prinzip. Die Proben haben's in sich: Monatelange, wöchentliche vierstündige Text-, dreistündige Musik- und zweistündige Tanzproben gehen den Aufführungen voraus. "Anschließend aber bewegen sich die Jugendlichen nicht nur sicher auf der Bühne, sondern auch in der Schule, zum Beispiel bei Referaten", sagen die beiden. Viel Idealismus bringen die Lehrer mit, Liebe zum Theater und sie verfolgen außerdem ein pädagogisches Konzept: "Über die Projekte erfahren wir viel über die Probleme der Jugendlichen. Die wiederum engagieren sich enorm im Unterricht." Abgestimmt auf die Mitwirkenden sind auch die Stücke: "Die Darsteller sollen sich in den Rollen wiederfinden", sagt Hagelberg. Um Drogen geht es, auch um Liebeskummer, Beziehungskonflikte. Ihr neuestes Projekt, das 2002 in Preetz Premiere feiern soll, heißt: "Von Luft und Liebe".


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