Kieler Nachrichten, Montag, 29. Dezember 2003
Als "Theatermacher" ist für Gunter Hagelberg noch lange nicht Schluss
Preetz - Eigentlich wollte er Regisseur werden, vor fast 50 Jahren, als es galt, einen Beruf zu ergreifen. Das hat sich zerschlagen und so wurde Gunter Hagelberg Lehrer. Doch als solcher fand er einen Kompromiss: In fast 43 Berufsjahren hat der mittlerweile 62-Jährige beides miteinander verknüpft. Der Schönberger, der im Januar in den Ruhestand geht, hat zuletzt am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Preetz unterrichtet und dort beliebte Stücke wie "Zoff" und "Von Kluft und Liebe" inszeniert. Mit seinem "jungen theater spectaculum" machte sich der Theaterpädagoge über die Landesgrenzen hinaus einen Namen.
In der Region hat der Preetzer Lehrer und Autor Gunter Hagelberg längst einen Namen. Jetzt geht der Schönberger in den Ruhestand.
Foto J. Bunjes
Gunter Hagelberg blickt auf den roten Bühnenvorhang in der Aula des Preetzer Gymnasiums. Für ihn als Lehrer wird er bald das letzte Mal fallen. Als "Theatermacher" aber sei noch lange nicht Schluss. Mit Stolz und Wehmut erzählt Hagelberg dort vor der Bühne von seinem Werdegang, davon, dass er vor 43 Jahren Lehrer wurde, um "auf der sicheren Seite" zu sein, von seiner lebenslangen Leidenschaft fürs Theater und davon, dass er geistig agil bleiben wollte. 15 Stücke hat der ergraute Autor geschrieben, über 600 junge Menschen haben bei ihm erste Erfahrungen auf der Bühne gesammelt, etwa 200 Lehrer hat er weitergebildet und über 60.000 Zuschauer haben seine Stücke gesehen - sowohl auf kleinen Schulbühnen, als auch im Kieler Werftparktheater, im Opernhaus und im Schloss, auf den Bühnen von Rendsburg. Eckernförde, Flensburg, Itzehoe, Niebüll, Bonn, Hamburg, Berlin.
"Ich bin stolz darauf, so viele junge Menschen 'auf den Weg gebracht' zu haben", sagt der Hobby-Regisseur, der viel mehr als nur ein Feierabend-Schreiber ist. "Ein Jahr Recherche und schreiben, ein Jahr proben", skizziert Hagelberg das Procedere, das er "neben" seinem Hauptberuf jahrzehntelang verfolgte. Dazu kamen vielfältigste organisatorische Aufgaben: das Entwerfen und Bauen von Requisiten und Bühnenbild, die Koordination der Proben- und Spielpläne mit dem zum Teil mehrere dutzendköpfigen Ensemble. Rückblickend sagt der Theaterpädagoge: "Heute ist es viel schwieriger als vor 30 Jahren, Jugendliche für diese Art der Kulturarbeit und langfristig für arbeitsintensive und zeitraubende Produktionen zu gewinnen."
Nichtsdestotrotz: "Große" Produktionen wie "Mensch-Menschin", "Brandsatz" und "Von Luft und Liebe", aber auch die "kleineren", mit unerfahrenen Schülern entwickelten Aufführungen wie "Ben liebt Anna" füllten mehrfach das Kieler Schloss. "Es waren anstrengende Jahre", gibt der angehende Pensionär zu, der in seinem Ruhestand dem Theater die Treue halten will. Ein neues Musical ist schon geschrieben: "Ein Tag zu viel". Es wird ab Februar in der Aula des Friedrich-Schiller-Gymnasiums inszeniert, denn Hagelberg wird als Regisseur weiter an der Schule arbeiten. "Außerdem werde ich Jugendtheaterstücke für Zwölf- bis 18-Jährige schreiben, um sie dann möglichst auf einer professionellen Bühne aufführen zu lassen", kündigte Hagelberg an, den als musikalischer Leiter 30 Jahre lang sein ehemaliger Schüler Lothar Köhrsen, inzwischen selbst Lehrer am Gymnasium Elmschenhagen, begleitet hat.
Von seinem Werdegang erzählt Hagelberg: "Ich wollte eigentlich mit einem amerikanischen Germanisten als Musil- und Kafka-Forscher an die Yale-Universität, aber das hat sich zerschlagen, weil die Einberufung zum Wehrdienst dazwischen kam". "Den hat er zwar verweigert", aber der Forscher-Weg war ihm (vorerst) verbaut. "Dann wurde ich Lehrer", erzählt der Oberstudienrat weiter. Eine Bedingung stellte er sich selbst: "Ein störendes Element einzubauen, um nicht zu ermüden und zu resignieren". So wechselte er in der Kieler Gegend alle sieben Jahre und insgesamt vier Mal die Schule ("Das war damals und für jemanden, der Theater macht, kein Problem"). In Preetz landete er 1991 und dort ist er dann "hängen geblieben" - auch, weil es am FSG immerhin eine semi-professionelle Bühne gibt. "Vorher hatte ich hauptsächlich in Klassenräumen geprobt", erinnert sich der Deutsch- und Sportlehrer.
Anlässlich seines Ausscheidens aus dem Schuldienst präsentiert Hagelberg mit Schülern des 13. Jahrgangs eine letzte Schul-Aufführungsserie. "Theater-Träume" heißt das Stück, das aus dem von Hagelberg kultivierten Genre des "Bewegungstheaters" stammt. Diese Erweiterung des Schulsports mit den ästhetischen Mitteln des Theaters wird am 27./28./29. und 30. Januar in der Aula des FSG präsentiert. Karten gibt es ab 12. Januar bei Ettling ({telefon}04342/2526). Von Jessica Bunjes
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