junges theater spectaculum e.V.

der reporter, Mai 2005

Gunter Hagelbergs Rockmusical "Ein Tag zu viel" begeisterte sein Publikum

Von PISA, Pech und Liebesmüh

Lea Ahrens und Anna Strutz

Preetz (sg). Schülerin Hanne hat es nicht leicht: Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist gespannt, mit ihrem alkoholkranken Stiefvater kommt sie überhaupt nicht klar, sie fühlt sich hässlich und missverstanden, in Mathe versagt sie an der Tafel und von ihren Mitschülern wird sie gehänselt. Und als ob das noch nicht reichen würde, ist sie auch noch verliebt. Und das unglücklich, denn ihrem potentiellen Freund zeigt Hanne lieber die kalte Schulter, als eine Reaktion seinerseits in Kauf zu nehmen. In Gunter Hagelbergs Rockmusical "Ein Tag zuviel" werden die Alltagsprobleme Hannes, gespielt von Lea Ahrens, einer Schülerin der Stufe 13 des Friedrich-Schiller-Gymnasium, dargestellt. Hagelberg, der bis zum Februar 2004 am FSG unterrichtete, brachte mit "Ein Tag zuviel" die 25. Produktion des "Jungen Theaters Spectaculum e.V." auf die Bühne, das er gemeinsam mit seinem Elmschenhagener Kollegen Lothar Köhrsen betreut. Und wieder erreichten die Aufführungen ein beachtliches Niveau: Denn Gunter Hagelberg gelang in seinem Stück die Balance zwischen der ernsten Darstellung von Hannes Alltagsproblemen und dem heiteren Teil ihres schulischen Daseins: Hannes Mathelehrer, mit ironischem Augenzwinkern gespielt von Eberhard Orlich, der nach der PISA-Studie um den Untergang des Landes der Dichter und Denker fürchtet, muss sich auf dem Elternabend für sein Verhalten im Unterricht rechtfertigen, sein Kollege, dargestellt von Wolfgang Blödorn, der das Schülertheater leitet, versucht derweil, die Hauptrolle seines neuen Musicals zu besetzen.

Von der wiederum träumt Hanne. Auch nachts, wie auf der Bühne eindrucksvoll dargestellt wurde: Von der über Hannes Bett hängenden Leinwand spricht diese zu sich selbst herunter und schürt ihre Selbstzweifel. Schließlich ist auch Hannes beste Freundin (Anna Strutz) hinter der Rolle her, und beide treten in einen harten Wettkampf. Ob Hanne die Rolle bekommt, bleibt offen. Immerhin schmilzt das Eis zwischen ihr und ihrem Freund (Arne Danklefsen) und der vermeintlich coole und lässige Klassenkamerad wird in Hannes Nähe plötzlich gefühlvoll und schüchtern. Wie schon bei zahlreichen Produktionen wie "Zoff" oder "Von Luft und Liebe" wurde auch für "Ein Tag zuviel" die während der Aufführung live gesungenen Stücke im Tonstudio eingesungen und zu einer CD verarbeitet. Ein starkes humoristisches Element des Stückes sind die Auftritte des durchgeknallten Hausmeisters der Schule, gespielt von FSG-Lehrer Norbert Holst, der seine ironischen Kommentare zum Geschehen immer wieder mit einem irren und ansteckenden Lachen unterbricht und damit vom ersten Moment an das Publikum auf seiner Seite hatte. Ebenso wie Lea Ahrens, die die Rolle der Hanne einfühlsam spielt und unter anderem Hannes Schwierigkeiten in Sachen Liebe sehr überzeugend darstellt. Wie die meisten Darsteller brachte auch sie schon Bühnenerfahrung mit, und zwar aus mehreren Stücken der FSG-Theatergruppe von Dr. Wolfgang Neve. Dass Hagelbergs Schauspieler schon halbe Profis sind, wurde deutlich, als die Darstellerin der Mutter Hannes überraschend vor der vierten Aufführung am FSG erkrankte, und Anna Strutz zwei Stunden vor Beginn in einer dreiviertel Stunde Text und Darstellung der Rolle Ellen von Westernhagens einübte, um dann in einer Doppelrolle aufzutreten. Das Publikum honorierte diese Leistung mit besonders langem Applaus, und fühlte sich über die zwei Stunden gut unterhalten: "Mir gefielen besonders die witzige Darstellung der Schule, zum Beispiel die Szenen im Unterricht, aber auch die Liebe zwischen Hanne und ihrem Schulkamerad", urteilt Zuschauerin Birte Cöster (13). Und so schien am Ende auch Regisseur Gunter Hagelberg (63) zufrieden, der trotz seiner Pensionierung ans Aufhören noch lange nicht denkt. Was also im nächsten Jahr kommt? Man darf gespannt sein. Für alle, die bis dahin nicht warten wollen: "Ein Tag zuviel" wird am 29. und 31. Mai um 19 Uhr im "statt Theater" Neumünster wiederholt, Vorverkauf unter 04321-400596.


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