junges theater spectaculum e.V.

Kieler Nachrichten, Dienstag, 9. Oktober 2007

Mephisto und Faust

Der Wahrheit ein Stückchen näher: Arne Bollert (Mephisto, links) und Thomas Schröder (Faust) testen in der Inszenierung von Gunter Hagelberg, "was die Welt im Innersten zusammen hält". Foto J. Bunjes


Vom Wagnis mit Höherem

Preetzer Germanist Gunter Hagelberg inszeniert Goethes "Faust"
- Premiere: 5. November

Preetz - Faust und immer wieder Faust: Der Weltbürger ist nicht nur Gelehrter, sondern vor allem Verführter und Verführer, Zerstörter und Zerstörer. Sein Leben und Leiden, nie gestillte Lust und verzehrende Gier, bringt jetzt der Germanist Gunter Hagelberg, Ex-Lehrer, Autor und Regisseur, auf die Bühne.

Von Jessica Bunjes

Vertont und mit musikalischen Elementen ergänzt hat Hagelberg den Weltklassiker Faust I. Premiere ist am Montag, 5. November, 20 Uhr, in der Aula des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Preetz. Gunter Hagelberg hat bereits jede Menge Theater, oft mit pädagogischem Ansatz, gemacht. Hat über Liebe und Heranwachsen geschrieben. Pubertätsprobleme, Stress mit Eltern, der Welt und sich selbst auf die Bühne gebracht. "Zoff", "Von Luft und Liebe" und "Mensch, Menschin" heißen die Stücke, die bei seinem großen Publikum für Furore sorgten. Seit 17 Jahren mischt der ehemalige Preetzer Deutschlehrer im Kieler "theater spectaculum" an vorderster Front mit und seine Zuschauer auf. Jetzt wagt er sich an Höheres, an "Goethe pur", wie er sagt.

Gleiches Thema, andere Messlatte. An "Faust I" haben sich viele versucht. Die Trauben hängen also hoch. "Faust ist für mich ein zentraler Text der deutschen Literatur, die Geschichte verbraucht sich nicht, ist absolut zeitgerecht", sagt der Germanist. Das "Faustische" im Menschen sei unverändert geblieben. Erklärt wird im Flyer, was das unter anderem sei: "Der rücksichtslose Größenwahn, der andere in die Katastrophe treibt." Der Hagelbergsche Faust kann aber noch mehr, als die Welt herauszufordern, die Konventionen zu brechen und seine eigenen Grenzen - und die anderer - weit zu überschreiten: Er kann singen. Und der Teufel natürlich auch. Die Protagonisten Faust (Thomas Schröder; Itzehoe) und Mephisto (Arne Bollert, Kiel) bekommen in der um 30 Prozent gekürzten Fassung keine neue Stimme, aber einen authentischen Klang. "Wir bleiben dem Original im Wesentlichen treu", verspricht der Autor, der die entnommenen Passagen mit dem Band-Team um Lothar Köhrsen (Elmschenhagen) kollagenartig vertont hat.

Das Ergebnis lautet in etwa: Faust goes Rock'n'Roll. Aber nicht nur. Hagelberg erklärt: "Goethe selbst hat sinniert, dass Mozart sein Werk hätte komponieren müssen." Womit der deutscheste aller Dichter nicht nur die musikalische Begabung des Wiener Musikers, sondern auch seinen exzentrischen Geist meinte. Und so wird, a' la Mozart, chorisch kommentierend in die Szenen eingegriffen. Wer dem nicht folgen kann, bekommt Unterstützung durch Beamer-Vorführungen. "Die Fabel ist erhalten geblieben", verspricht Hagelberg, den ein 60-köpfiges Team aus Mitstreitern im Alter zwischen 17 bis 67 Jahren unterstützt, darunter zehn (Hobby-)Schauspieler und 30 Chorsänger.

Und damit nur die Liebesgeschichte zwischen Faust und Gretchen in die Hose geht und nicht die ehrgeizigen Ziele des ambitionierten Teams, wird seit zehn Monaten intensiv geprobt. "Es wird etwas Besonderes", ist Hagelberg überzeugt. Die Premiere sollten alle diejenigen nicht verpassen, die nicht vergessen haben, mit allen Sinnen und dabei sinnvoll zu leben. Ob sie dabei der Wahrheit ein Stückchen näher kommen, "was die Welt im Innersten zusammen hält", bleibt abzuwarten.

Der Vorverkauf läuft bei Firma Ettling in Preetz (Tel. 04342/2526). Weitere Vorstellungen in Preetz sind am 8., 9., und 10. November, jeweils in der Aula und immer ab 20 Uhr. Im Anschluss gastiert das Ensemble in Kiel, Neumünster, Flensburg, Lübeck, Plön und Itzehoe.
Info: www.spectaculumev.de


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