Probsteier Herold, Dienstag, 2. Februar 2010
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Gunter Hagelberg feiert 20-jähriges Bühnenjubiläum
Seit 35 Jahren sind Gunter Hagelberg (Foto, links) und Lothar Köhrsen gemeinsam mit unzähligen anderen Mitarbeitern ein Team. Ihr größtes Projekt ist das "junge theater spectaculum", mit dem Hagelberg nun sein 20-jähriges Bühnenjubiläum als Theaterregisseur feiert. Schon 1975 begann er mit der Theaterarbeit. Seit 1985 schreibt und inszeniert er eigene Texte, "um die Lebenswirklichkeit junger Leute wiederzugeben", wie er sagt. Der erste große Erfolg war 1989 das Stück "Zoff", eine Aufbereitung des Lebens seiner Tochter. Mehr über Gunter Hagelbergs Leben für das Theater lesen Sie auf der Seite 7.
Text Heine/Foto hfr
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"Möchte junge Leute an das Theater heranführen." Der Schönberger Regisseur und Autor von Theaterstücken Gunter Hagelberg feiert sein 20. Bühnenjubiläum mit dem "jungen theater spectaculum".
Foto Heine
Theaterregisseur Gunter Hagelberg feiert 20 Jahre "junges theater spectaculum"
Mit "Zoff" fing alles an
Schönberg - Nicht irgendeine kleine Bühne sei das "junge theater spectaculum", jener gemeinnützige Kulturverein, mit dem der Schönberger Theaterregisseur Gunter Hagelberg dieser Tage sein 20-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Mit dem Stück "Zoff" hat 1989 alles begonnen, einer ganz persönlichen Aufarbeitung des Lebens seiner Tochter. Seitdem hat Hagelberg mit "spectaculum" 15 Großprojekte produziert und aufgeführt, darunter Klassiker wie der "Faust" und etliche kleinere Theaterstücke für verschiedene Schulen im Land. Auch künftig will Hagelberg mit seinem langjährigen Projektpartner Lothar Köhrsen Theaterprojekte mit Jugendlichen entwickeln und durchführen.
Insgesamt 700 Menschen haben im Laufe der Jahre beim "jungen theater spectaculum" mitgewirkt, darunter Schüler, Eltern, Studenten, Lehrer und Theaterinteressierte. Mit rund 200 Aufführungen hat das Theater seit seinem Bestehen etwa 75.000 Zuschauer erreicht. Zu den von Gunter Hagelberg geschriebenen und inszenierten Stücken haben verschiedene Komponisten unter Leitung von Lothar Köhrsen mehr als 200 Musikstücke geschrieben. Köhrsen war und ist Hagelbergs ständiger Weggefährte in dieser Erfolgsgeschichte, den er vor 40 Jahren als einen seiner Schüler kennenlernte und mit dem er nun schon 35 Jahre lang zusammenarbeitet.
Doch der Erfolg ist Hagelberg nicht das Wichtigste an "spectaculum". Er sitzt auf der Eckbank am Küchentisch, an der Wand hinter ihm hängen dicht an dicht schwarz-weiße Szenenfotos aus der "spectaculum"-Geschichte. "Natürlich, es ist großartig, wenn wir auf großen Bühnen vor ausverkauftem Haus spielen", sagt er. Darunter waren das Kieler Schloss, das Kieler Schauspiel- und Opernhaus und die Berliner Deutschlandhalle. "Faszinierend aber ist es, junge Leute im Theater zu guten Schauspielern heranreifen zu sehen." Prominentes Beispiel ist Wiebke Puls, die vor einigen Jahren zur Schauspielerin des Jahres im deutschsprachigen Raum gekürt wurde. Den Grundstein ihrer Karriere legte sie als 14-Jährige mit der Hauptrolle in "Zoff". "Vier Jahre war sie bei mir", erinnert sich Hagelberg. "Dann besuchte sie die Schauspielschule in Berlin, bekam erste Engagements und gewann als erfolgreiche Schauspielerin schließlich mehrere Preise und Auszeichnungen."
Bei "spectaculum" bekommt niemand eine Gage
Beim "jungen theater spectaculum" allerdings bekommt niemand eine Gage, gleichgültig, ob Produzent, Schauspieler oder Musiker, "spectaculum ist gemeinnützig mit der Aufgabe, Theater für und mit jungen Leuten zu machen." Und für Junggebliebene. Das Konzept ist aufgegangen, meint Hagelberg. "Die Besucher sind zwischen zehn und 80 Jahre alt, unsere Stücke werden von Schulen und Theatergruppen in der ganzen Republik angefordert und nachgespielt."
Gleich am Anfang allerdings gab es auch die Gelegenheit, Geld zu verdienen. "Wir waren damals mit "Zoff" in Bonn und bekamen vom ZDF das Angebot, das Stück fürs Fernsehen zu inszenieren", erinnert sich Hagelberg. Das ZDF habe aber kein eigenes Ensemble stellen, sondern das Stück mit den Kindern inszenieren wollen. "Was Kinder machen, können professionelle Schauspieler nicht", war das Argument. Hagelberg lehnte ab, denn es war kurz vor den Sommerferien. "Das sind Kinder, das geht nicht", meint er auch heute noch entschieden. Er lächelt. "Aus finanzieller Sicht wohl ein Fehler."
Mit Leidenschaft und fast 40 Jahre lang war Hagelberg Lehrer, verrät er. Als eine Aufgabe von Theater sieht er das Erlernen der Fähigkeit, sauber und sensibel mit Sprache zu arbeiten und die Wirkung auf die Zuschauer zu erfahren. "Die Schule leistet das heute nicht mehr", kritisiert Hagelberg. Kultur werde als verzichtbarer Luxus an den Schulen angesehen, die Lehrpläne ließen keinen Raum mehr für Kreativität, kulturelle schulische Initiativen in Musik, Kunst und Theater seien vielerorts Mangelware. "Umso wichtiger ist es, solche Projekte mit einem solidarischen Team von Musikern, Schauspielern Technikern und Organisatoren umzusetzen", ist Hagelberg überzeugt.
Deshalb wollen Gunter Hagelberg und Lothar Köhrsen auch weiterhin Theaterprojekte auf die Bühne bringen. Sie halten Kontakt zu Schulen und unterstützen Theater-AGs. Großprojekte allerdings erarbeitet Hagelberg aus familiären Gründen nicht mehr. Aber er schreibt weiterhin Theaterstücke und unterstützt bei deren Realisierung.
Ob er selbst gern professionell an großen Bühnen gearbeitet hätte? Hagelberg stützt das Kinn in die Hand und schaut nachdenklich aus dem Fenster seiner Küche. "Die Schüler an der Theaterarbeit wachsen und reifen zu sehen, ist großartig", sagt er dann. "Das ist mit keinem Geld und Ruhm an großen Bühnen zu bezahlen."
Mehr Informationen über das "junge Theater spectaculum gibt es im Internet unter www.spectaculumev.de oder in der Kieler Geschäftsstelle im Russeer Weg 107.
Kay-Christian Heine
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