junges theater spectaculum e.V.

Kieler Nachrichten, Freitag, 25. Juni 2010

Vom Menschen-Experiment im Klassenraum

Gymnasium Elmschenhagen zeigt das Jugenddrama "Die Welle" - Montag ist Premiere

Die Welle

"Die Welle" ist ein Theaterstück über die Verführbarkeit von Menschen. Die Inszenierung des Kurses "Darstellendes Spiel" im 12. Jahrgang am Gymnasium Elmschenhagen hat am Montag, 28. Juni, Premiere. Foto Jordt

Elmschenhagen. "Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft, Stärke durch Aktion!" - So lauten die Parolen der fiktiven Jugendbewegung "Die Welle", die nach und nach immer mehr Schüler in ihren Bann zieht. "Die Welle" ist nicht nur ein Klassiker der Schulliteratur, sondern auch ein packendes Theaterstück, das am Montag, 28. Juni, 19.30 Uhr, im Gymnasium Elmschenhagen Premiere hat.

Von Karin Jordt

Dass wieder Nationalsozialisten an die Macht gelangen könnten, scheint heute undenkbar. Das Jugendstück "Die Welle" - nach einem Buch von Morton Rhue - beschreibt, wie genau das passieren könnte. Das Drama beruht auf einer wahren Begebenheit, einem Unterrichtsversuch in Kalifornien aus dem Jahr 1967. Der Geschichtslehrer Ben Ross möchte seiner Klasse den NS-Staat begreiflich machen, denn keiner seiner Schüler kann sich vorstellen, wie es zum Holocaust kommen konnte. Der Pädagoge startet ein Menschenexperiment, das im Desaster endet. Er gründet die Gruppe "Die Welle", drillt seine Schüler auf Disziplin, fordert absoluten Gehorsam. Das stößt wider Erwarten nicht auf Ablehnung, sondern auf große Begeisterung. Aus dem unmotivierten Haufen von Jugendlichen wird eine angepasste Gruppe von Jasagern mit "Welle"-Abzeichen und Parolen auf den Lippen. "Die Welle" breitet sich aus, Kritiker werden bekämpft, Gegner denunziert. Der Lehrer ist fasziniert, doch langsam wächst ihm die Geschichte über den Kopf. Er habe "kleine Monster" geschaffen, kritisiert seine Ehefrau. Ben Ross muss handeln, bevor die Welle endgültig aus dem Ruder läuft.

Seit September probt der Grundkurs "Darstellendes Spiel" des zwölften Jahrgangs das Stück - "ein Vorschlag aus den Reihen der Schülerinnen und Schüler, mit dem sich fast alle sofort identifizierten", berichtet Elisabeth Pietschmann, Lehrerin am Gymnasium Elmschenhagen. Gunter Hagelberg, Regisseur des "jungen theaters spectaculum", der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bühnenjubiläum feierte, unterstützt das Projekt tatkräftig. Das Textbuch nach der Romanvorlage schrieb der Sozialpädagoge und Dramatiker Reinhold Tritt, der das Drama 1986 in Düsseldorf auch mit großem Erfolg inszenierte.

"Das Thema fanden wir gut", meint Salien (18). "Wir haben das Stück gewählt, weil es spannend ist", erzählt Stefanie (18), "es hat Realitätsbezug" , findet Kevin (18). Geeignet sei die Aufführung für Schüler ab der siebenten Klasse, erläutert Elisabeth Pietschmann, die mit der Gruppe nicht nur im Unterricht, sondern auch an etlichen Nachmittagen geprobt hat.

Die Vorstellungen finden in der Aula des Gymnasiums Elmschenhagen, Allgäuer Straße 30, statt: Montag, 28. Juni, 19.30 Uhr, Dienstag, 29. Juni,19.30 Uhr, und Mittwoch, 30. Juni, 19.30 Uhr. Karten für 4 (Erwachsene) und 2 (Schüler) Euro gibt es im Büro der Schülervertretung und an der Abendkasse.


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